Neue Technologien lernt man selten nur durchs Lesen. Man muss sie ausprobieren. Mit ihnen experimentieren. Oder, ganz umgangssprachlich: ein bisschen damit rumspielen. Dabei darf man auch einmal scheitern, neu ansetzen und merken, was tatsächlich funktioniert.

Aus diesem Gedanken ist ein wesentliches Prinzip der Digital You Arena entstanden: Digitale Entwicklung soll nicht nur erklärt, sondern erlebt werden.

Ein Gespräch mit dem Autorenduo Karl-Heinz Schulte und Daniela Hellwig soll aufklären: Was steckt dahinter?


1. Vom Ausprobieren zur Methode

Aus „einfach mal ausprobieren“ wird nicht automatisch eine Methode. Wie habt ihr aus diesem Gedanken ein ganzes Lernkonzept entwickelt?

DANIELA: Wir haben das Ausprobieren in einen einfachen Entwicklungsweg übersetzt: Erst verstehen, was sich im eigenen Arbeitsumfeld verändert. Dann ehrlich einschätzen, wo man selbst steht und wo man hinmöchte. Und anschließend konkrete Dinge ausprobieren und daraus einen persönlichen Plan machen.

So wird aus „einfach mal rumspielen“ systematische Entwicklung, aber mit spielerischem Rahmen.

2. Warum Fehler zum Lernen dazugehören

Spielen bedeutet normalerweise Freiheit, Neugier und auch Fehler machen zu dürfen. Ist genau das beim Lernen neuer Technologien vielleicht wichtiger als der nächste perfekte Weiterbildungskurs?

KARL-HEINZ: Gerade bei neuen Technologien gibt es den perfekten Lernplan oft gar nicht – dafür verändert sich zu viel zu schnell. Oft muss man zunächst eine gewisse Unsicherheit überwinden, dann gewinnt die Neugier.

Wer selbst ausprobiert, sammelt eigene Erfahrungen und die bleiben meist stärker hängen als die nächste Folie in einer Schulung.

3. Die Arena als persönliches Spielfeld

Ihr nennt euer Modell eine „Arena“. Das klingt zunächst nach Wettkampf. Gegen wen trete ich dort eigentlich an?

DANIELA: Eigentlich gegen niemanden. Nicht mal unbedingt gegen dich selbst. Mir gefällt an der Arena viel mehr die Idee des eigenen Spielfelds.

Du musst nicht besser in KI sein als dein Kollege oder mehr über Daten wissen als deine Kollegin. Die spannende Frage ist: Was brauchst du für deine Zukunft – und wo willst du dich weiterentwickeln?

4. Sechs Disziplinen der digitalen Entwicklung

Wenn wir von einer Sportarena sprechen, stellt sich natürlich die Frage nach den Disziplinen. Worin tritt man in der Digital You Arena an?

DANIELA: Digitalisierung findet in sehr vielen Bereichen statt. Deshalb besteht die Arena aus sechs Disziplinen:

  • Business & IT

  • KI

  • Daten

  • Cyber

  • Maschinen & Robotik

  • Digitale Kollaboration

Sie bilden die Felder ab, in denen sich Arbeit durch Digitalisierung heute besonders stark verändert und in denen du dich ganz unterschiedlich entwickeln kannst.

5. Jeder startet an einem anderen Punkt

Menschen starten mit völlig unterschiedlichen Erfahrungen – von unsicheren Anfängern bis zu begeisterten Technologie-Nutzern. Wie kann ein gemeinsames Modell für alle funktionieren?

KARL-HEINZ: Wir beschreiben für jede Disziplin zehn Entwicklungsstufen: von ersten Berührungspunkten bis zur aktiven Gestaltung. Das Buch gibt dir dafür Selbstcheck-Fragen und typische Beispiele an die Hand, mit denen du dich selbst einordnen kannst.

Es gibt also keinen technischen Test, der dir sagt: „Du bist Stufe 4.“

Danach überlegst du genauso individuell, wo du hinmöchtest. Das hängt von deinem Beruf, deinen Interessen, deinen Ambitionen und natürlich auch davon ab, welche Möglichkeiten dein Arbeitsumfeld bietet.

So entstehen dein persönlicher Ausgangspunkt und dein eigenes Entwicklungsziel.

6. Challenges: Vom Wissen ins Machen

Damit sind Ausgangspunkt und Ziel klar. Aber Entwicklung passiert ja nicht von allein. Dafür arbeitet ihr mit sogenannten „Challenges“. Was genau ist das?

DANIELA: Genau da wird's für mich spannend. Ich kann zehn Artikel über KI lesen – und habe danach trotzdem noch nie mit einer KI gearbeitet.

Eine Challenge bringt dich dagegen ins Tun. Probier zum Beispiel ein konkretes Tool aus. Nimm einen echten Prozess aus deinem Alltag. Frag eine Kollegin, wie sie es macht.

Und manchmal stellst du danach fest: Super. Manchmal auch: völliger Quatsch für mich.

Beides ist Lernen. Und das sollen die Challenges herauskitzeln.

7. Wie wird Fortschritt sichtbar?

Persönliche Entwicklung passiert oft schleichend. Wie merke ich überhaupt, dass mich diese Challenges weiterbringen?

KARL-HEINZ: Fortschritt bedeutet für uns nicht einfach, möglichst viele Aufgaben abzuhaken. Entscheidend ist, ob du danach etwas besser verstehst, anders handelst oder konkret umsetzen kannst als vorher.

Deshalb hältst du deine Erfahrungen fest und kannst dich später anhand derselben Kriterien erneut auf deiner Entwicklungsskala einordnen.

8. Quick Wins, Stretch Tasks und Game Changer

Nicht jede Challenge ist gleich anspruchsvoll. Ihr unterscheidet zwischen Quick Wins, Stretch Tasks und Game Changern. Was steckt dahinter?

DANIELA: Stimmt, nicht jeder Entwicklungsschritt muss gleich dein Berufsleben revolutionieren.

Manchmal probierst du etwas zehn Minuten aus und denkst: „Ha, praktisch!“ – Quick Win.

Manchmal musst du deine Komfortzone ein Stück verlassen – Stretch Task.

Und manchmal stößt du auf etwas, bei dem du plötzlich denkst: „Moment mal. Wenn das funktioniert, könnte ich meine Arbeit komplett anders machen.“

Das sind für uns die Game Changer.

9. Aus Challenges werden persönliche Moves

Gleichzeitig soll niemand einfach Challenge für Challenge abarbeiten. Ihr sprecht deshalb auch von persönlichen „Moves“. Was ist der Unterschied?

KARL-HEINZ: Die Challenges sind unsere Ideen und Anregungen für alle Leserinnen und Leser.

Ein Move ist das, was du daraus für dich auswählst: Das passt zu meinem Ziel, das ist in meinem Umfeld sinnvoll – und genau das werde ich umsetzen.

Aus einem allgemeinen Vorschlag wird damit dein persönlicher nächster Schritt.

DANIELA: Und wie im Sport gilt: Ein kontinuierliches und vielseitiges Training bringt dich voran. Nicht jede Einheit wird gleich ein Weltrekord sein.

10. Eine Roadmap für zwölf Monate

Und aus diesen Moves entsteht schließlich eine Roadmap für zwölf Monate. Warum braucht digitale Entwicklung gleich eine ganze „Saison“?

DANIELA: Weil Entwicklung im Alltag passieren muss.

Es bringt mir nichts, mir heute zehn Dinge vorzunehmen, die ich ab morgen alle anders machen will. Das überfordert uns und führt zum nächsten Technik-Frust.

Deshalb verteilst du deine Moves über zwölf Monate: Was möchte ich wirklich ausprobieren? Was passt gerade zu mir? Und was vielleicht erst später?

So entsteht Schritt für Schritt dein eigener Weg – und kein weiterer Plan, der nach drei Wochen in der Schublade landet.

KARL-HEINZ: Diese Denkweise passt hervorragend zur Arbeitsweise von Unternehmen. Auch die arbeiten oft mit Transformations-Roadmaps.

11. Gamification: Mehr als nur Spielerei

Arena, Entwicklungsstufen, Challenges, Moves, eine ganze Saison – spätestens jetzt steckt ziemlich viel Spiel in der Methode. Ist das nur eine schöne Verpackung für ein ernstes Thema?

KARL-HEINZ: Nein. Für den gezielten Einsatz solcher spieltypischen Elemente gibt es sogar einen Begriff: Gamification.

Uns geht es dabei aber nicht um Spielerei um der Spielerei willen. Die Mechanik soll Orientierung geben, Neugier wecken, Fortschritt sichtbar machen und vor allem die Schwelle senken, tatsächlich anzufangen.

12. Wann ist eine Saison erfolgreich?

Wenn wir in dieser Bildwelt bleiben: Wann wäre nach einem Jahr für euch ein gelungenes Turnier gespielt?

KARL-HEINZ: Wenn du zurückblickst und sagen kannst: Ich habe Neues ausprobiert, vieles erfolgreich umgesetzt, Fähigkeiten aufgebaut und meinen Arbeitsalltag an einigen Stellen wirklich verändert.

Dann war es eine gute Saison, aber sicher nicht die letzte.

DANIELA: Weil du nach zwölf Monaten ja nicht „fertig digital“ bist – und die Technologie zum Glück auch nicht stehen bleibt.

Es werden neue Themen kommen, andere werden vielleicht wieder verschwinden.

Und genau so soll auch die Digital You Arena weiterleben: mit neuen Challenges, neuen Impulsen und immer wieder der Frage:

Was davon ist für mich gerade wirklich relevant?

Dazu gibt’s unterstützend auch immer wieder Material auf unserer Website.